Snooks - Eine Herausforderung!

von Michael Wenzel

Nach einem ca. 10 stündigen Flug landeten wir planmäßig um 14:00 Uhr Ortszeit auf dem Fort Myers International Airport. Nach dem Auschecken und den notwendigen Kontrollen holten wir unseren Leihwagen ab und fuhren unserem Ziel entgegen. Naples liegt in Südwestflorida südlich von Fort Myers direkt am Golf von Mexiko.

Nachdem wir unser Apartment bezogen hatten fuhr ich sofort zu Capt. Tom Shadley' s Laden, den ich von früheren Touren kannte. Nach der obligatorischen Begrüßung kam ich sehr schnell zur Sache. „ Tom, wann hast Du Zeit auf Snook zu fischen ?"fragte ich. „ Am Donnerstag " sagte er in seiner wie immer absolut coolen und durch nichts aus der Ruhe zu bringenden Art. „ Um wieviel Uhr ?" war meine nächste Frage. „ 4:30 " kam es zurück. Morgens ?" fragte ich etwas irritiert. Nicht daß mir das etwas ausmachen würde, aber ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen wo wir fischen würden. „ Ja, Du wirst schon sehen warum" meinte Tom leicht verschmitzt. Damit war alles klar. Ich stöberte noch ein wenig im Laden herum und verabschiedete mich dann bis zum verabredeten Zeitpunkt.

Am Donnerstag war ich pünktlich um 4:30 an verabredeter Stelle, wo Tom schon auf mich wartete. Er hatte sein Boot bereits zu Wasser gelassen und es ging sofort los. Ich konnte mir auf der Fahrt noch immer nicht so recht vorstellen wo wir fischen wollten, da es stockdunkel war. Wir fuhren in die Naples Bay und da sah ich es. An den Ufern der Bay stehen viele prachtvolle Häuser, wovon die meisten einen Bootssteg haben. An dessen Ende ist häufig eine Lampe angebracht, die die ganze Nacht auf die Wasseroberfläche scheint. Hier sammeln sich die Kleinfische und somit auch die Räuber. Ich bekam eine fertig montierte Rute der Klasse 8 in die Hand gedrückt, während Tom den Außenborder abschaltete und den leisen E-motor anwarf, um mich in Position zu bringen. Ich stellte mich auf den Bug des Bootes und begann die Leine in Bewegung zu setzen. Es war etwas gewöhnungsbedürftig im Dunkeln zu werfen, dennoch bekam ich die Fliege wohin sie sollte. Schon beim zweiten Strippen bekam ich einen heftigen Biss, den ich prompt vergeigte. Also auf ein neues. Wurf, Aufsetzen, Strippen - Biss. Der Anhieb saß und ab ging die Post. Im Dunkeln kämpfen Snooks nicht ganz so hart wie bei Tageslicht doch trotz der 8er Rute war es nicht leicht diesen Burschen zu bändigen. Ich fing noch einige von ihnen an diesem„ Spotlight", bevor ich wieder einen Fisch hakte, der jedoch ganz anders reagierte als seine Vorgänger. Er schüttelte weder heftig mit dem Kopf noch sprang er wie wild aus dem Wasser. Nein, er zog mit stoischer Ruhe seine Bahnen und war nur mit Mühe nach oben zu bringen. Wie sich herausstellte war es ein Jack (Stachelmakrele). Hier in Florida auch ein häufiger Fisch an der Fliege, der im Drill unglaubliche Kräfte freisetzt.

Nach einigen weiteren „Spotlights" begann es zu Dämmern und Tom wollte noch einen letzten Steg anfahren. Dort angekommen sah ich zwei ziemlich große (ca. 15 Pfd.) Snooks im Wasser, die sich jedoch beim Anwerfen ganz langsam absinken ließen. Während ich sie beobachtete schnappte sich ein kleinerer Artgenosse die Fliege und wickelte sich in einem Affenzahn um einen der Stege. Tom sagte mir ich solle die Rute hoch halten, während er das Boot mit dem E-motor langsam rückwärts bewegte. Tatsächlich ließ sich der Snook wie ein Hund an der Leine führen, aber nur bis er ein wenig vom Steg entfernt war. Als er seinen Fehler bemerkte legte er noch einmal so richtig los. Wenn Ihr Euch jetzt wundert, daß das Vorfach das ausgehalten hat hier ein paar Daten: Gefischt wird mit Ruten der Klassen 8 und 9. Rollen mit gutem Bremssystem und ausreichend Backing (100-150m) verstehen sich von selbst. Schwimmende Vorfächer mit einem Spitzenteil von mind. 12 kg Tragkraft kann ich nur empfehlen. Die Fische sind nicht Vorfachscheu und ein event. Hänger an den Mangroven läßt sich ziemlich gut lösen. Die Fliegen die benutzt werden können sollten die Farben gelb, gelb-rot, weiß-rot sowie ganz weiß haben. Meine erfolgreichste Fliege war der Mangrove - Bunny von Capt. Shadley. Aber auch Lefty' s Deceiver, Blanton`s s Sar-Mul-Mac, Hansen 's Glass Minnow und Clouser' s Deep Minnow werden Euch nicht enttäuschen. Vergesst auch nicht leichte, luftige Kleidung die, wenn nötig, auch Arme und Beine bedeckt, mitzubringen. Auch Polbrille und Sonnenschutz solltet Ihr immer dabei haben.

Sobald es hell wird schwimmen die Kleinfische von den Stegen weg und verteilen sich in der Bay und an den Mangroven. Die Snooks tun dasselbe und wir taten es ihnen natürlich gleich. Wieder stellte ich mich auf den Bug und nun mußte die Fliege so nah wie möglich an die Mangrovensträucher heran oder gar in Buschlücken präsentiert werden. Nach kurzer Zeit ging ein ziemlicher großer Snook an die Fliege und ehe ich mich versah war er in einem Mangrovenastgewirr verschwunden. Es gab einen Ruck und zurück kam nur das Vorfach ohne Fliege und hatte die Form eines Schweineschwänzchens. Tom grinste mich an und meinte ich könne den Mund jetzt wieder zumachen, sonst würden noch Moskitos reinfliegen. Im Laufe des Morgens konnte ich dann doch noch einige Snooks aus den Mangroven „herauskitzeln" , bevor wir den Rückweg antraten, da ich nur einen halben Tag gebucht hatte. Den Rest des Tages nutzten wir nun für den Strand. Apropos Strand: Vergesst bloß nicht Eure Fliegenrute mit dorthin zu nehmen. Denn hier patrouillieren Snooks einzeln oder in Gruppen den ganzen Tag über sehr nah am Ufer auf der Suche nach freßbarem. Mehr als knietief brauchet Ihr kaum zu waten, um schöne Fische zu erbeuten, da die beste Methode darin besteht parallel zum Ufer oder einer Holzpfahlreihe zu fischen.

Snooks gehören zu den großartigsten Salzwasserfischen für den Fliegenfischer überhaupt. Sie können ziemlich groß werden, leben aber sehr nah an den Uferregionen. Sie nehmen die Fliege sehr gut, müssen aber vorsichtig angegangen werden und man muß sauber präsentieren. Wenn sie jedoch einmal gehakt sind kämpfen sie hart - sehr hart. Die für den Fliegenfischer interessanteste Art ist der sog. Common Snook. Das ist ein unserem Zander ähnlicher Fisch mit langgestrecktem Körper, dunkelbraun bis oliv gefärbtem Rücken mit silbrig glänzenden Flanken und Bauch. Die Flossen sind gelblich und sehr auffallend ist die schwarze Seitenlinie. Der Kopf hat ein oberständiges Maul in dem sich keine scharfen Einzelzähne befinden, so daß man den gesamten Fisch gut in einer Art Wallergriff aus dem Wasser heben kann. Der bisher größte gefangene Snook wog 24,3 kg. Der größte mit der Fliege gefangene wog 13,7 kg und wurde an einem 201b Vorfach 1993 von Dr. Rex Garrett bei Chokoloskee Island/Florida überlistet.

 

 

Weitere Informationen

Anreise: Von Deutschland aus per Flugzeug nach Miami oder Fort Myers. Leihwagen am besten schon vorher buchen.

Über Miami: Vom Flughafen auf die 836 (Dolphin Expressway) in Richtung Westen. Dann auf die 821 (Florida Turnpike) in Richtung Norden.(Maudstraße). Danach auf die Interstate 75 in Richtung Norden > Naples. Ausfahrten 15 und 16. Fahrzeit ca. 2 - 2 1/2 Stunden.

Über Fort Myers: Vom Flughafen aus in Richtung Interstate 75 (Es gibt nur diese eine Straße vom Flughafen aus). Auf der Interstate 75 in Richtung Süden > Naples. Ausfahrten 16 und 15. Fahrzeit ca. 45 min. Zur Zeit bietet jedoch nur die LTU einen Direktflug von Düsseldorf nach Fort Myers an.

Gewässer: Fischen kann man mit entsprechender Lizenz überall am Golf von Mexiko oder Backcountry. Wenn Ihr Euch einen Guide nehmt könnt Ihr je nach bedarf an folgende Plätze gebracht werden: Naples Bay, Ten Thousand Islands, Everglades National Park, Pine Island, Estero Bay, Sanibel und Captiva Island.

Lizenzen: Wenn Ihr es auf eigene Faust probieren möchtet, kostet die 7 Tage Salzwasser - Lizenz (ganz Florida!) ca. 20,-$. Boote sind fast überall zu mieten. Lizenzen bekommt man bei: Sunshine Ace Hardware, 141-9th Street North, Naples, FL 33940.

Wenn Ihr mit einem Guide fischt (würde ich auf jeden Fall beim ersten mal), brauchet Ihr Euch nicht um Lizenzen zu kümmern. Preise: Halber Tag inkl. Boot, Lizenzen, Guiding, Ruten, Rollen, Fliegen etc. / 250,- $ Ganzer Tag siehe oben plus Verpflegung / 375,- $. Die Preise gelten für 1 - 2 Personen, die natürlich auch ihr eigenes Equipment benutzen dürfen.

Saison: Beste Reisezeiten für Florida sind Oktober-Dezember und März-Juni.

Schonzeit: Für Snook vom 15. Dezember - 31. Januar sowie Juni, Juli und August. (gelten für Entnahme). Andere Arten wie Tarpon und Redfish dürfen das ganze Jahr über befischt werden. Mindestmaße: Snook: zwischen 60cm und 85cm darf entnommen werden. 2 Stück pro Person/pro Tag.

Wohnen: Da Naples ein beliebtes Ferienziel ist, werdet Ihr genug Möglichkeiten in div. Katalogen in den Reisebüros finden. Auch im LTU-Magazin und im Florida Journal (Zeitschriftenhandel) finden sich viele Angebote. Wenn Ihr noch mehr über die Fischerei erfahren möchtet, hier folgende Adresse:

Mangrove Outfitters Fly Shop Inc. and Guide Service

Capt. Tom Shadley

4111 East Tamiami Trail

Naples, FL 34112

Tel. und Fax: 001 - 941 - 793 - 3370

Email: captshadley@mangrove-outfitters.com

Internet: www.mangrove-outfitters.com